Pressebericht: RAUM-KLIMAWANDEAL

DICKE LUFT IN ÖSTERREICHS RÄUMEN: DIE QUALITÄT DER INNENRAUMLUFT WIRD NOCH ZU WENIG BEACHTET, DABEI IST SIE FÜR DAS WOHLFÜHLEN UND AUCH FÜR DIE PRODUKTIVITÄT VERANTWORTLICH. NEUE GERÄTE KÖNNTEN DIE INNENLUFTMESSUNG REVOLUTIONIEREN.

Österreichische Schulklassen erfüllen nicht einmal die Mindestvorgaben für Raumluft. Das stellten mehrere Studien in den letzten Jahren fest. LUKI (Luft und Kinder, eine Untersuchung des Lebensministeriums, des IBO und der Meduni Wien) kam zu dem Ergebnis, dass kein einziger geprüfter Klassenraum den Mindestvorgaben der Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften/BMLFUW entsprach. „Die Lernleistung nimmt schon ab 1.000 ppm CO2 ab, die Fehlerraten steigen. Ab etwa 1.400 ppm CO2 ist die Luft qualität laut österreichischer Akademie der Wissenschaften und ÖNORM EN 13779 als niedrig zu bezeichnen, viele Schulklassen liegen in mehr als der Hälfte der Lernzeiten darüber. Ab 2.000 ppm CO2 steigt die Rate an Kopfschmerzen (die häufigste Beschwerde bei Jugendlichen neben der ebenso durch schlechte Luft geförderten Müdigkeit)“, fasst die Österreichische Ärzte kammer zusammen.

Während in den Schulen und den Büros die negativen Auswirkung einer schlechten Raumluft auf Konzentration und Produktivität recht klar sind, wundern sich Bewohner vielleicht über diverse Beschwerden oder auch nur darüber, dass sie schlecht schlafen, obwohl sie extra die teure Matratze gekauft haben. „Das Problem mit dem CO2 gibt es auch in Schlafzimmern“, weiß Siegfried Gaida, geschäftsführender Gesellschaf ter von Thermokon. „Sie sind viel zu oft zu klein dimensioniert und man bewegt sich in diesen Räumen nächtens ja auch nicht.“ Thermokon, ein Hersteller von Messinstru menten, hat für die Messung der Raumluft ein witziges Tool entwickelt: kleine Messgeräte, gerade einmal so groß wie eine Handfläche, die überall aufgestellt werden können und die die Daten an ein Handy, iPad oder einen Computer senden – der Cloud sei Dank. Das kleine Ding hat Spengkraft. Es misst Temperatur, Feuchtigkeit, CO2-Gehalt und in einer erweiterten Version auch Helligkeit und Feinstaub.

Mit einem Preis von zwischen 100 und 300 Euro liegt das Gerät im erschwinglichen Bereich und kann von privaten Nutzern angewandt werden. Das heißt: Jeder kann sich so etwas im Büro aufstellen und leicht (ohne bei der Haustechnik nachfragen zu müssen) nachweisen, dass die Luft viel zu trocken ist – um nur ein Beispiel, das aber geschätzte 80 Prozent aller Büros betrifft, zu nennen. In der Facility-Management-Branche heißt es schon, man warte nur, bis es erste Klagen wegen Körperverletzung gäbe. Die simplen Messgeräte habe also das Potenzial für eine Revolution. Was gesund ist, zeigt das Behaglichkeitsdiagramm; es definiert die Bereiche, in denen sich das Raumklima optimalerweise bewegen sollte. „Neben den gesetzlich geregelten Parametern ,Temperatur‘ und ,Luftfeuchtigkeit‘ – siehe dazu Arbeitsstättenverordnung § 28 – sind die CO2-Werte der Raumluft von immanenter Bedeutung für die anwesende Mitarbeiterschaft“, mahnt Marko Rostek, CTO beim Büroberater teamgnesda. Eine Studie an der TU Wien, Abteilung Immobilien und Facility Management, analysierte ebenfalls, dass es mehr zur Beurteilung einer Raumklimaqualität braucht als nur Temperatur und Feuchtigkeit. Im Auftrag des KAV, des Wiener Krankenanstaltenverbundes, untersuchte sie über die Kontinente hinweg, welche Gesetze, Normen und Standards in den einzelnen Ländern für das Raumklima gelten. Das Ergebnis in Kurzfassung: Neben dem thermischen Raumklima, das über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit (z. B. Zug) festgemacht werden kann, zählen die Innenraumluftqualität (Stichwort Schadstoffe; messbar über das CO2, weil es auch als Indikator für andere Schadstoffe gilt), visuelle Faktoren wie Tages- und Kunstlicht (Meßgrößen sind die Lichtstärke und -farbe) und schließlich die Akustik. Sie ist am schwierigsten zu objektivieren, denn nicht alles, was laut ist, stört. Man denke nur an das recht laute Meeresrauschen im Vergleich zu einem penetrant und doch leise tropfenden Wasserhahn …

Im Betrieb sei man vor allem bei Passivhäusern gut beraten, eine CO2-gesteuerte Lüftungsanlage zu verwenden, meint Ursula Schneider von pos architekten und verweist darauf, dass, wenn Besuch da ist, einfach mehr Luft gebraucht wird, als wenn das Haus nur von seinen Bewohnern benutzt wird. Schneiders Blitzcheck, wenn man eine neue Wohnung betritt: „Es darf nicht neu riechen“, denn dann sind Materialien verbaut, die noch ausdunsten und möglicherweise Schadstoffe in die Luft jagen. Darum ihr Credo: „Wir kümmern uns sehr präzise um die Auswahl der Bau stoffe. Das betrifft die spätere Entsorgung der Stoffe genauso wie die Auswahl von Materialien, die keinerlei humantoxischen Stoffe enthalten, selbst wenn sie in Österreich zugelassen wären.“ pos architekten arbeiten daher schon in der Planung mit Konsulenten zusammen. Das koste zwar etwas, sei im Ganzen aber vernachlässigenswert, so Schneider. Die ökologischen Materialien und Baustoffe seien nicht teurer. „Am Ende, wenn fertig gebaut ist, misst der Konsulent auch noch objektiv die Raumluft“, erzählt Schneider und verweist etwa auf das Projekt Jaspern, bei der eine Baugruppe von Anfang an beraten wurde. „Weil das Private und daher Laien sind, sind sie auch unvoreingenommen und für sinnvolle Argumente zugänglich.“

Schneider wie auch Gaida können sich gut vorstellen, dass künftig Ausschreibungen mit Grenzwerten, oder noch besser: mit Zielwerten, erfolgen, also eine zu erreichende Qualität definieren. „Nicht die Lösung, sondern das Ziel sollte in Ausschreibungen festgehalten werden“, so Schneider.

Zu all den Daten kommt freilich noch die Subjektivität. Wie wichtig es ist, individuell lüften zu können, zeigt eine andere Studie der TU Wien, ebenfalls von der Abteilung Immobilien und Facility Manage ment durchgeführt. Fünf Schulen in Kärnten mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen – mit/ohne Belüftung – wurden untersucht; eine hat sogar eine Anlage, die, abhängig vom CO2-Wert, die Frischluft regelt. Über ein Dreivierteljahr wurden CO2- und Mischgasgehalt, Luftfeuchtigkeit und Tem peratur gemessen. Man machte Konzentrationstests mit den Schülern, es gab Untersuchungen durch den Augenarzt (trockene Augen und ähnliche Beschwerden) und psychologische Tests, um die Zufriedenheit mit dem Raum zu messen. In allen Schulen wurde, um die Luft (zumindest vermeintlich) zu verbessern, willkürlich mittels Fenster gelüftet. Danach wurde bei den Schülern die höchste Zufriedenheit mit dem Raum gemessen. Auch war, je höher die Luftfeuchtigkeit war, die subjektive Beurteilung umso besser. Wurde nicht mittels Fenster gelüftet, konnte im Klassenraum mit der CO2-gesteuerten Anlage tatsächlich eine bessere Luft festgestellt werden. Und die Schüler schnitten bei den Konzentrationstests auch immer etwas besser ab.

 

Quelle:

so!-Magazin, Ausgabe 02/2016, S. 46

Webseite:

http://www.somagazin.com/de/ausgaben

 
 
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