Interview – Sensorik für Zeitgeist

Thermokon feiert das 30-Jahre-Jubiläum. Harald Zygan, Gründer und Geschäftsführer, und der aktive Sensor für das Österreich-Geschäft Siegfried Gaida über Gegenwart und Zukunft.

a3: Hr. Zygan, Hr. Gaida, Thermokon ist 30. Die Zeit ist schnelllebig. Hat ihr Unternehmen Produkte und das Potenzial für weitere 30 Jahre?

Harald Zygan: Für uns steht die kurz- und mittelfristige Ausrichtung momentan im Fokus. Aufgrund der unterschiedlichen, weltweiten Märkte mit deren individuellen, technischen Kundenanforderungen an unsere Produkte und Leistungen, haben wir eine klare Ausrichtung für die nächsten 10 Jahre. Grundsätzlich ist bei uns die Bereitschaft und der Wille vorhanden, die Herausforderungen aktiv anzugehen und erfolgreich zu meistern.


a3: Sie entwickeln und fertigen heute mit 176 Mitarbeitern in Deutschland Sensoren und Systeme. Ginge das nicht anderswo auf der Welt viel effizienter?


Zygan: Es kommt darauf an, wie man Effizienz definiert. Natürlich kann man woanders auf der Welt kostengünstiger produzieren als an unserem Standort im hessischen Mittenaar. Allerdings sehen wir „Effizienz“ weitläufiger. Wenn man die Themen Kundenberatung, Reaktionszeiten auf individuelle Kundenwünsche, Support- und After-Sales-Leistungen, Lieferzeiten und den Bereich Qualität berücksichtigt, dann ist Deutschland ein guter Standort für Thermokon.


a3: Sie sind in Hongkong und in China präsent, nicht aber in europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Polen. Sind das keine Zielmärkte? Oder anders gefragt: Wohin soll die Reise von Thermokon als Nächstes gehen?

Zygan: Insgesamt sind wir mit 10 Auslandsniederlassungen vertreten. Weiters haben wir für die Niederlande und Belgien einen eigenen Vertrieb in der Region. Zusätzlich haben wir weltweit Handelspartner und strategischen Distributoren, sodass die Produkte von Thermokon in über 80 Ländern verfügbar sind. Insgesamt wird der Export für uns immer relevanter. 2017 wird der Exportanteil erstmals über 50 % liegen. Daraus werden sich auch die meisten Veränderungen in den nächsten Jahren ergeben.


a3: Wie man auf der ISH sehen konnte, ist das Thema Smart Home omnipräsent. Werden Komfort und Effizienz künftig auch in Bürohäusern an Stellenwert gewinnen?

Siegfried Gaida: Diese beiden Themen haben für uns heute schon einen hohen Stellenwert in diesem Anwendungsbereich. Oftmals verbringen wir mehr Zeit in Büros als in unserem Zuhause. Daher ist neben der Effizienz eines Gebäudes für den Betreiber auch der Komfort und das Wohlfühlklima für die Personen relevant, die sich in dem Gebäude aufhalten. So kann zum einen mit intelligenten Systemlösungen im Bereich Sensorik die Energieeffizienz des Gebäudes heute schon beeinflusst werden. Des Weiteren sorgen vernetzte Systeme für die Messung bzw. Regelung von z. B. Temperatur, CO2, Luftqualität oder Licht- & Bewegungsdaten für ein Raumklima, welches die Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst.


a3: Das Internet der Dinge wird die Automation, Steuerung und Betriebsführung unserer Gebäude verändern. Halten sie es für möglich, dass die konventionelle Automatisation von Gebäuden bald Geschichte sein wird?


Gaida: Wir sehen es nicht unbedingt so, dass die konventionelle Automatisation von Gebäuden bald Geschichte sein wird. Für viele Anwendungen ist die konventionelle Automatisation von Gebäuden momentan immer noch von Vorteil, da viele Lösungen bereits systematisch & effektiv zusammenarbeiten können. Allerdings sind wir auch der Meinung, dass das „Internet der Dinge“ immer relevanter und einflussreicher wird. Die konventionelle Automatisation wird aber nicht von heute auf morgen enden.


a3: Mit Thermokon-Fühlern und -Sensoren werden Unmengen Daten gewonnen. Wo Daten sind, ist deren Missbrauch nicht weit. Wie sieht ihr Beitrag zur Datensicherheit konkret aus?


Zygan: Hier muss man unterscheiden zwischen kabelgebundenen und kabellosen Sensoren/Produkte. Bei kabelgebundenen werden die Daten über eine Leitung z. B. an eine GLT (Gebäudeleittechnik) übermittelt. Diese werden in diesem System be- und verarbeitet. Somit sind die Daten unserer Sensoren nur ein Teil der gesamten Gebäudeautomation. Datensicherheit ist damit eher ein Thema des Systemintegrators/ -betreibers denn ein Thema des Sensorherstellers. Wenn Unbefugte Zugang zu den Signalen drahtgebundener Sensorik haben, besteht ein wesentlich ernsteres Problem im Gebäude als der Datenschutz. Die kabellosen Produkte von Thermokon basieren auf der EnOcean-Funktechnologie. Diese ermöglicht eine Verschlüsselung mit mehreren unterschiedlich starken Sicherheitsstufen. Selbst unverschlüsselt enthalten EnOcean-Telegramme keine Sensoridentifikation, d. h. ein Angreifer kann aus dem Telegramm nicht erkennen, um welche Art von Signal es sich handelt, nur dass es eines von über 200 EnOcean-Telegrammen ist. Das EnOcean-Protokoll erlaubt aber auch die Daten zu verschlüsseln (128 Bit AES) oder für maximale Sicherheit neben den Daten zusätzlich auch die Sensor-ID zur verschlüsseln. Dazu kommt, dass die Signale durch die Gebäudehülle stark gedämpft werden und i. d. R. außerhalb des Gebäudes nicht mehr empfangen werden können. Ein potenzieller Angreifer müsste sich direkt an der Außenwand befinden, um Telegramme mithören zu können.

 

Quelle:
a3 Wirtschaftsverlag: Building Technologies | Solutions
Ausgabe 06/2017 – Seite 70/71
http://www.a3verlag.com/magazine/building-technologies-solutions/

 
 
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